Was versteht man unter einer Verhaltenstherapie?

Papageien sind Vögel mit einem turbulenten Sozialverhalten, die in ihrem natürlichen Lebensraum paarweise, in Familienverbänden, in kleinen Trupps oder großen Schwärmen leben. Neben lebenslangen Paarbindungen (Aras) kommen Sozialstrukturen wie Polygamie ebenso vor wie bei einigen Arten auch Scheidungen nach einer mehrjährigen gut funktionierenden Paarbindung. Für dieses Leben sind Papageien und Sittiche perfekt von der Natur ausgestattet worden. Unsere Heimvögel leben in unseren Wohnzimmern mit exakt der gleichen genetischen Information. Nichts hat sie aber auf die Lebensumstände, mit denen sie nun konfrontiert werden, vorbereitet. Daher ist es die Aufgabe des Halters, seinem Papagei zu zeigen, wie er sich in diesem Lebensraum zurecht finden kann. In seinem sozialen Verband müsste sich der Papagei an den Tagesablauf und die Regeln seiner Artgenossen halten, um im Alltag bestehen zu können. Ein Papagei, der in seiner Jugend nicht sozialisiert wurde, keine Erziehung erfahren hat und sich seine eigenen Regeln gesetzt hat, wird verhaltensauffällig werden, denn er ist orientierungslos und hat nie gelernt, sich an die Bedürfnisse der Gemeinschaft, in der er nun lebt, anzupassen.

 

Verhaltensauffälligkeiten wie Schreien, Beißen, Rupfen und Automutilation oder aber die Entstehung von Phobien, Ein-Personen-Vögeln und Territorialvögeln sind niemals ein Fehler des Papageis. Der Papagei ist immer das Opfer seiner Umstände, denn er kann stets nur auf die Umwelteinflüsse reagieren, mit denen ihn sein Halter konfrontiert. Es ist daher wichtig, die Ursache für die Verhaltensauffälligkeit zu erkennen und wenn möglich zu beseitigen, bevor man mit einer eigentlichen Therapie der Verhaltensauffälligkeit beginnen kann. Häufig nehmen Halter die Aggressionen ihrer Papageien persönlich, es ist ihnen peinlich, dass der Vogel rupft oder sie ertragen das permanente Geschrei nicht mehr. Auch wenn es diesen Haltern schwer fällt: Dieses Zuhause ist für ihren Papagei das richtige Zuhause, denn wenn Sie dies lesen, haben Sie sich auf den richtigen Weg gemacht, um das Problem innerhalb Ihrer Familie zu lösen. Kein Papagei, der bereits hochgradig verunsichert ist und nach Anleitung und Bestätigung sucht, hat es verdient, sein Heim zu verlieren. Eine Korrektur der Haltungsbedingungen, ein gezieltes und auf die Bedürfnisse des Papageis abgestimmtes Training und die Akzeptanz des Halters, dass er vielleicht die nächsten Jahre oder Jahrzehnte mit seinem Papagei an diesem Problem arbeiten muss, sind der einzige Weg, Ihrem Papagei langfristig zu helfen.

Um als Verhaltensberater für Papageien und Sittiche zu arbeiten, ist  keine spezielle Ausbildung vorgeschrieben, die Berufsbezeichnung ist ebenso wenig gesetzlich geschützt wie Tierpsychologe oder Papageientrainer. Erkundigen Sie sich daher unbedingt nach der Fakultas, das heißt der Lehrbefähigung und der wissenschaftlichen Ausbildung Ihres zukünftigen Beraters. Die Mitgliedschaft in vielen Vereinen oder Organisationen sagt nicht unbedingt etwas über die Befähigung Ihres zukünftigen Beraters aus. Ihr Consultant oder Berater sollte und muss in der Lage sein, Ihnen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse so zu vermitteln, dass Sie sie unabhängig von Ihrer eigenen Ausbildung verstehen. Und legen Sie Wert auf gutes Benehmen. Wer im Internet oder anderen Medien über Dritte schreibt, wird Ihre Privatsphäre nicht beachten.

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